Joel Girrbach: «Das ist eine ganz neue Erfahrung»

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Der Thurgauer ist der einzige Schweizer, der diese Saison regelmässig auf der European Tour spielt. Beim Heimspiel in Crans-Montana sprach René Stauffer (Tamedia) mit Joel Girrbach nach seinem frühzeitigen Aus über seine Pläne.

Sie verpassten mit zwei 71er-Runden den Cut in Crans. Ein hartes Turnier?
Ich machte es mir selber hart. Für mich war es eine weitere Enttäuschung. Zwischen Anfängerniveau und Weltklasse war alles dabei. Die Chance wäre da gewesen, das Spiel auch, aber ich habe wieder einmal nichts daraus gemacht. Zu viele Bogeys von Mitte Fairway aus, das kann es einfach nicht sein. Wenn man eine gute Position nach dem Abschlag hat und nichts daraus macht, musst du dich nicht wundern. Ums Green herum war es nicht einfach, und wenn du das Vertrauen nicht hast, wird es noch schwieriger. 

Ist momentan das Vertrauen Ihr grosse Problem?
Logisch. Wenn man ständig Cuts verpasst, hat man kein Vertrauen. Und wenn ich ehrlich bin, war ich mir das gar nicht gewohnt in den vergangenen fünf Jahren. Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Und ich muss versuchen, irgendwie rauszukommen, wie auch immer. Es gibt viele Wege, aber welcher ist der Richtige? Es ist ein Probieren und Machen. Wenn ich ehrlich bin, bin ich momentan etwas ratlos.

Wie geht es weiter? Auf der Europatour?
Ja. Ich spiele nächste Woche in Hamburg, dann in Holland, Spanien, Frankreich und Portugal. Wir haben sicher noch fünf, sechs Turniere, die ich bis Ende Jahr spielen kann. Dann die Q-School, und etwas Challenge-Tour ist auch noch dabei.

Auf der Challenge-Tour fehlen Ihnen dieses Jahr gute Resultate. Haben Sie diese bewusst vernachlässigt?
Ja. Denn wenn du genug Turniere hast auf der Europatour, wenn du reinkommst und diese Turniere nützt, hast du automatisch eine Kategorie auf der Challenge-Tour. Das Ziel ist, auf der Europatour mitzuspielen, nicht auf der Challenge-Tour. Die habe ich in den letzten drei Jahren gesehen, und das ist ein anderes Brot hier. Jetzt muss ich halt ein wenig unten durch. 

Welches Ranking brauchen Sie für die Challenge-Tour? 
Du musst nur 70 Prozent der Turniere bestreiten, in die du reinkommst. Dann hast deine Kategorie auf der Challenge-Tour. Mehr oder weniger sogar eine volle Kategorie. Aber das ist das Worst-Case-Szenario.

Wäre es eine Option, 2020 nochmals die Challenge-Tour zu spielen? Oder ist es zu früh, um das jetzt schon zu sagen?
Das ist noch etwas früh. Aber wenn ich diesen Weg nochmals gehen muss, dann gehe ich ihn. Es ist auch dort kein Zuckerschlecken. Wenn du dort unten gut mitspielst, dann kannst du auch auf der Europatour gut mithalten. 

Sie sagten, dass Sie Ende Saison Bilanz ziehen.
Das werde ich auch tun. Aber wenn ich ehrlich bin: Mein Spiel ist gut genug, um auf dieser Tour hier oben mitzuspielen. Es sind halt einfach noch zu viele Fehler drin. Und wenn wir es hinbringen, diese dummen Fehler rauszunehmen, dann reicht es. Und das ist es, was mich optimistisch stimmt. 

Könnte es kurzfristig wieder Klick machen?
Im Golf ist alles möglich. Du kannst innerhalb von zwei Wochen plötzlich der Star sein. Das ist verrückt im Golf. Logisch, diese Hoffnung habe ich. Und ich habe ich auch den Glauben daran, dass ich ein Turnier gewinnen kann. Wenn du den nicht mehr hast, dann musst du es sein lassen. Aber den habe ich definitiv noch. Ich pusche mich jede Woche, habe jede Woche Freude. Und wenn du jede Woche wieder eins aufs Dach erhältst, musst du dich halt auf die nächste konzentrieren.