Kolumne First Tee: Die Klimadiskussion im Golf

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In ihrer neuen Kolumne «First Tee» schreibt Petra Himmel über die Folgen der  Klimadebatte und wieso Rory McIlroy weniger fliegen will.
Weitere Portraits, Hintergründe und Kommentare von Himmel finden Sie hier.

Seit Wochen kommt der Sport an der Klimadebatte nicht vorbei: Abfahrtsfahrer, die jenseits der Piste aufs braune Bergland blicken. Wintersport ohne Winter eben. Dazu die Kritik von Handballern, die kürzlich im Rahmen der EM in Schweden und Österreich in knapp drei Wochen 6000 Kilometer im Flugzeug zurücklegen. Unnötig fand so mancher der Sportler.
Sie haben noch nicht auf den Flugplan eines Profigolfers geblickt. Die Globalisierung des Profizirkus hat längst extreme Ausmaße angenommen. Die European Tour spielt in Afrika, den arabischen Staaten, in Europa und reichlich in Asien. Und: Ein Teil der Protagonisten mischt das Programm dann noch mit der US PGA Tour ab.
Was an Flugmeilen zustande kommt, liess zum Beispiel der Spanier Gonzalo Fernandez-Castano am Ende des Jahres 2018 wissen, nachdem er 19 Turniere auf der European Tour mit 15 Veranstaltungen auf der Web.com Tour kombiniert hatte: Knappe 115.000 Meilen. Beachtlich.
Der Start ins neue Jahr bietet Liebhabern der Vielfliegerei reichlich Optionen: Dustin Johnson zum Beispiel, in Jupiter Island/Florida zuhause, hat beim Tournament of Champions in Hawaii mitgemacht und sich diese Woche für einen Kurztrip zum Saudi International entschieden – Flugmeilen gesamt zirka 24.000 Meilen. Die körperlich weniger anstrengende und logistisch weit einfachere Variante besteht darin, den sogenannten Desert Swing abzuspielen und sich von Abu Dhabi über die Turnierwoche in Dubai nach Saudi Arabien zu bewegen oder auf der US PGA Tour an die Farmers Insurance Open der vergangenen Woche nun die Waste Management Phoenix Open anzuhängen.
 

Es gibt Spieler, die das Gejette über zig Kontinente trotz Privatjet oder Netjet-Beteiligung längst leid sind – unabhängig von jeder Klimadebatte: „Ich schlage Millionen von Dollars aus Abu Dhabi und Saudi Arabien aus, weil ich mich richtig verhalten will“, liess Rory McIlroy 2019 gegenüber einem Journalisten des Telegraph wissen. „Ich will einfach nicht mehr so viel reisen. Das habe ich zwölf Jahre lang gemacht. Ich will einfache Flüge haben und nicht über acht oder neun Zeitzonen fliegen und mich dann noch akklimatisieren müssen.“ Die Konsequenz: McIlroy fliegt dieses Jahr vorrangig in den USA ein wenig hin und her.
Es wäre illusorisch zu glauben, Einzelsportarten wie Golf oder auch Tennis würden ihre Spielpläne nur ansatzweise am Thema Nachhaltigkeit ausrichten. Andererseits hat das Thema Nachhaltigkeit längst nicht nur den R&A und die USGA als Governing Bodies des Golfsports erreicht, sondern auch Greenkeeperverbände, Clubmanager, Sponsoren und Turnierveranstalter. Die European Tour promotet seit 2013 die Initiative „Green Drive“, mit dem Anspruch „eine Führungsrolle im Sport in Sachen Nachhaltigkeit zu übernehmen.“
Zeitgleich zum Saudi International findet diese Woche die Waste Management Phoenix Open in Arizona auf der US PGA Tour statt, die damit wirbt, das nachhaltigste Sport-Event der Welt zu sein. Interessant ist dabei vor allem der Sustainibility Report, den die Veranstalter Jahr für Jahr veröffentlichen. Er enthält auch die Zahlen für den CO2 Fussabdruck der Veranstaltung. 2019 waren die Spieler mit 9,7 % des Gesamtausstoßes beteiligt. Sponsor Waste Management gleicht die komplette Emission nach eigenen Angaben durch Ankauf von Kompensationsmaßnahmen aus.
Kein schlechter Ansatz, den sich die Profitouren dieser Welt oder auch die Spieler zu eigen machen könnten: Wer Turniere rundum die Welt anbietet, könnte durchaus einen Anteil vom Preisgeld oder Sponsorengeld für den CO2-Ausgleich abzweigen. Bei Antritts- und Preisgeldern in Millionenhöhe für die Top-Profis kann dies eigentlich kein Budgetproblem sein.