Golf ist Sport
Laut Duden ist Sport eine «körperliche Betätigung, die nach bestimmten Regeln - im Wettkampf - aus Freude an Bewegung und Spiel, zur körperlichen Ertüchtigung, ausgeübt wird.» Golf erfüllt all diese Kriterien und noch mehr:
Golf ist eine Präzisionssportart, die im Freien gespielt wird. Ziel ist es, den Ball mit Golfschlägern und mit möglichst wenigen Schlägen in ein Loch zu spielen. Dabei steht nicht der direkte Gegner im Mittelpunkt, sondern der Platz selbst - mit all seinen natürlichen und strategischen Herausforderungen. Wer erfolgreich Golf spielen will, muss dafür Ausdauer, Technik, Konzentration und Präzision mitbringen.
Seit den Olympischen Spielen 2016 in Rio ist Golf, nach über hundertjähriger Pause, wieder Teil der olympischen Familie. Ein deutliches Zeichen, dass Golf ein Sport mit internationaler Bedeutung ist.
Wenn noch Zweifel bestehen: In der Folge haben wir noch weitere, gute Argumente dafür, warum Golf ein richtiger Sport ist:
Mit Technik zum besseren Handicap
Golf ist eine Sportart, bei der der Schwung das zentrale Element der Bewegung ist. Die Flugweite des Balles hängt massgeblich von der Schlägerkopfgeschwindigkeit ab - je höher diese ist, desto weiter fliegt der Ball. Studien zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen der Schlägerkopfgeschwindigkeit und dem Handicap Index - der individuellen Spielstärke - besteht. Dr. A. J. Fradkin konnte bei Golferinnen und Golfern mit einem Handicap Index zwischen 12 und 27 nachweisen, dass eine höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit mit einem niedrigeren Handicap korreliert. Dieser Effekt zeigte sich beim Abschlag mit dem Eisen 5, aber auch mit anderen Eisen oder dem Driver. Das bedeutet: Wer seine Schwungkraft verbessert und an seiner Technik arbeitet, wird seine Leistung auf dem Platz deutlich steigern. Eine gute körperliche Verfassung und gezieltes Training sind also entscheidende Faktoren für ein besseres Spiel, unabhängig von der aktuellen Spielstärke.
«Wenn Sie sich ein Spiel ansehen, ist es Unterhaltung. Wenn Sie es spielen, ist es ein Hobby. Wenn Sie daran arbeiten, ist es Golf.» Bob Hope
Körperliche Fitness
Kondition spielt beim Golf eine zentrale Rolle. Sie hat einen entscheidenden Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit, die in dieser Sportart besonders bedeutend ist. Darüber hinaus ist eine gute Beweglichkeit, vor allem im Schulterbereich, für den Golfschwung unerlässlich. Und auch die Muskulatur in Beinen und Rücken wird beim Golfsport intensiv beansprucht.
Deshalb gehört regelmässiges Fitnesstraining heute zum Alltag aller Profigolferinnen und -golfer - viele absolvieren vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche. Die körperlichen Anforderungen an Golferinnen und Golfer unterscheiden sich dabei kaum von denen in anderen Sportarten. Wer hier Defizite hat, muss mit Leistungseinbussen rechnen.
Doch was Golf im Besonderen von anderen Sportarten unterscheidet, ist nicht die körperliche sondern vor allem die mentale Herausforderung. Golf ist vielleicht die individuellste Sportart, die es gibt. Golf ist kein Wettkampf gegen andere, sondern in erster Linie ein Kampf gegen sich selbst. Bob Toski, berühmter Golftrainer, Schriftsteller und Mitglied der PGA Golf Professional Hall of Fame, brachte es auf den Punkt: «Golf ist ein gewaltfreier Sport, der von innen heraus gewaltsam gespielt wird.»
Lebensschule
Golf ist mehr als Sport. Golf hat auch etwas Meditatives. Wenn wir spielen, sind wir auf uns selbst zurückgeworfen, versuchen, überzeugt davon, in der Lage zu sein, einen kleinen weissen Ball über mehrere hundert Meter in ein kleines Loch zu befördern, die Fehlermarge so klein wie möglich zu halten. Es gibt kein Entrinnen vor unseren Gedanken. Mit jedem Schlag werden wir mit ihnen konfrontiert, auch mit negativen. Wir müssen lernen, mit diesen Gedanken umzugehen, fokussiert zu bleiben und bereit zu sein. In gewisser Hinsicht ist dieser innere Konflikt, bei dem wir ständig an unsere Grenzen gehen, unsere Ängste überwinden, eine grosse Lebensschule. Golf lehrt uns, niemals aufzugeben.
Aber Golf kann nicht nur Durchhaltevermögen und mentale Stärke lehren, sondern auch die Fähigkeit zur Visualisierung. Ähnlich wie Skifahrer, die sich Strecken, Kurven und das Gelände einer Piste gedanklich vorstellen und dabei erleben, stellen sich auch Golferinnen und Golfer - Anfänger wie Profis - intuitiv den bevorstehenden Schlag, seine Flugbahn und das perfekte Resultat vor, bevor sie zum Schlag ausholen. Diese Fähigkeit, mentale Bilder zu entwickeln und zukünftige Handlungen vorauszudenken, ist nicht nur ein strategisches Element des Spiels, sie ist auch im Alltag eine wertvolle Ressource – sei es im Beruf, im Sport oder bei privaten Entscheidungen.
Während sich einige wirklich grossartige Kandidaten im Golfsport entfalten, müssen wir weiterhin die jüngeren Kinder über den Sport aufklären, darüber, wie viel Können er bietet, wie viel Wissen über sich selbst, über das Leben, über das Verstehen und Kontrollieren von Emotionen.
– Keith Pelley, 2019
Warum Spitzensportlerinnen und -sportler Golf lieben
Viele erfolgreiche Sportler und Sportlerinnen aus unterschiedlichen Disziplinen spielen auch Golf - sei es, indem sie es aktiv in ihre körperliche Vorbereitung integrieren oder indem sie es während der Off-Season oder nach ihrer aktiven Laufbahn ausüben. Dazu zählen Athletinnen und Athleten aus Fussball, Hockey, Tennis, Basketball und vielen mehr.
«Golf ist eine grossartige Möglichkeit, sich aktiv zu erholen. Wir spielen hauptsächlich im Sommer. (...) In Bezug auf die Konzentration sind diese beiden Sportarten recht ähnlich. Beim Skifahren kann eine Veranstaltung zwischen Training und Rennen vier bis fünf Tage dauern, wie ein Golfturnier.» Didier Défago, Skirennfahrer und Goldmedaillengewinner in der Abfahrt bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver
Chancengleichheit
Golf ist eine Sportart, in der Spielerinnen und Spieler mit unterschiedlichen Fähigkeiten auf faire Weise gegeneinander antreten können. Möglich macht das das sogenannte Handicap-System. Es erlaubt einer Anfängerin oder einem Anfänger, gegen eine der besten Spielerinnen oder einen der besten Spieler ein ausgeglichenes Spiel zu bestreiten. Der Handicap-Index bestimmt, wie viele Schläge eine Spielerin oder ein Spieler im Vergleich zu einer stärkeren Gegnerin oder einem stärkeren Gegner zusätzlich erhält. Können beide ihr Leistungsvermögen abrufen, wird ein Golfspiel - dank dieser Vorgabe - unentschieden enden, vorausgesetzt, alle anderen Bedingungen sind vergleichbar. Keine andere Sportart verfügt über ein so gut funktionierendes Handicap-System. Das verleiht Golf einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil.
Vorsicht, Suchtgefahr!
Golf kann pure Freude und Frustration zugleich auslösen. Genau diese emotionale Achterbahnfahrt macht den Reiz des Sports aus und erklärt, warum Golf süchtig machen kann.
Der Moment, in dem man den ersten langen Putt locht, einen Ball über 80, 100 oder 120 Meter fliegen lässt oder sauber aus einem Bunker schlägt, bleibt unvergesslich. Für einen kurzen Augenblick sind all die Fehlschläge davor vergessen. Ein einziger perfekter Schlag fühlt sich an wie ein Profi-Moment und setzt eine Welle von Dopamin frei. Diese Glücksgefühle wollen Golferinnen und Golfer immer wieder erleben.
Doch Golf wäre nicht Golf, wenn auf diesen einen grossartigen Schlag nicht gleich ein schlechter folgen könnte. Und wieder beginnt die Suche, nach dem nächsten perfekten Schlag. Dieses ständige Auf und Ab, die Mischung aus Frustration und Triumph, kann regelrecht süchtig machen.
«Die Wichtigkeit jedes Schlages und die hohe Anzahl von Hindernissen, die den Score kippen können, bedeuten, dass der Golfer keine Atempause hat und nie sicher ist.» Antoni Girod, 2006
Golf ist fordernd, aber auch unglaublich lohnend. Sobald sich die ersten Fortschritte einstellen - sei es im Schwung oder beim kurzen Spiel - ist Vorsicht geboten. Denn genau dann packt viele das sogenannte Golffieber!
Auf einer ganz grundlegenden Ebene lieben wir Menschen es einfach, Dinge fliegen zu sehen. Seit jeher fasziniert uns der Anblick von fliegenden Objekten - Vögel am Himmel, Flugzeuge bei einer Flugshow oder selbst geworfene Pfeile und Steine. Kein Wunder also, dass auch der Flug eines perfekt getroffenen Golfballs fast meditative Faszination auslöst. Viele Golferinnen und Golfer können Stunde um Stunde damit verbringen, Bälle zu schlagen, allein um zu sehen, wie sie abheben und fliegen.