Joel Girrbach (FOTO GETTY IMAGES)
17.11.2025
Joel Girrbach: «Wenn ich den Nachwuchs inspirieren kann, ist das ein toller Bonus»
Der Thurgauer spricht im Interview über seine hervorragende Saison auf der DP World Tour, über die Zukunft und über seine Vorbildfunktion für die jungen Spielerinnen und Spieler.
Am Telefon wirkt Joel Girrbach entspannt und glücklich. Es ist Mitte November und der 32-jährige Thurgauer geniesst ein paar Tage Erholung in Dubai, nachdem er die Saison auf Rang 60 der Order of Merit der DP World Tour beendet hat. Der Lipperswiler zeigt sich zufrieden: Er hat seine Karte mit Bravour verteidigt – und das Jahr mit einem siebten Rang beim Omega European Masters in Crans-Montana, einem Top-3-Ergebnis bei der Open de España sowie einer Qualifikation für die Playoffs der DP World Tour erfolgreich abgeschlossen. Bereits Ende November beginnt Girrbach in Australien seine dritte Saison in Folge auf höchstem europäischem Niveau. Sein Ziel ist es, weiterhin Fortschritte zu machen.
Joel Girrbach – die kurze Erholungspause ist wohlverdient, oder?
Ja, sie tut mir sehr gut, denn ich bin müde. Das Saisonende war intensiv, ich habe viele Turniere gespielt, für die ich nach Indien, Südkorea und in die Emirate reisen musste. Dieser zweiwöchige Break ermöglicht es mir, meine Batterien vor der neuen Saison wieder aufzuladen.
Diese beginnt bereits Ende November in Australien. Wie gehen Sie mit dem intensiven Rhythmus um?
Einerseits ist es hart, weil es keine echte Auszeit gibt. Andererseits bleibt man im Rhythmus und im Wettkampfmodus, das passt mir gut – zumal wir während der Feiertage gegen Ende Jahr eine weitere Pause einlegen dürfen.
Zwischen dem Stolz, an den Playoffs der DP World Tour in Abu Dhabi teilgenommen zu haben, und der Enttäuschung, trotzdem nicht für den Saisonfinal in Dubai qualifiziert worden zu sein – wie fühlen Sie sich?
Ich hätte gerne zu den 50 Qualifizierten für Dubai gehört. Das liegt in der Natur des Menschen, man will immer mehr. Aber ich kann nicht von einer Enttäuschung sprechen. Ich bin mit meiner Saison zufrieden, habe meine Ziele erreicht und hatte sogar die Chance, am Ende ernsthaft um einen Platz unter den Top 50 zu kämpfen.
Ist das der nächste Schritt in Ihrer Entwicklung?
Ich hoffe es. Ich werde auf jeden Fall alles daransetzen, dieses Ziel zu erreichen.
Ist die PGA Tour irgendwo in Ihren Gedanken?
Darüber denke ich nicht wirklich nach. Aber ich kenne die Regel: Wenn man eine ganze Saison lang sehr gut spielt, kann man sich für die PGA Tour qualifizieren. So einfach ist das.
Und die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles?
Die sind noch viel zu weit weg, auch wenn mich das Erlebnis in Paris 2024 stark motiviert, erneut dabei zu sein.
Wenn Sie die Höhepunkte Ihrer Saison auswählen müssten, würden Crans und die Open de España sicherlich dazu gehören, oder?
Auf jeden Fall. Crans war eine grossartige Woche, zumal dort mein Spiel wieder in Schwung kam. Es war toll, vor Schweizer Publikum, meiner Familie und meinen Freunden auf diesem Niveau spielen zu können. In Spanien war es einfach cool, am letzten Tag um den Sieg zu kämpfen. Ich habe versucht, diesen Moment wie eine normale Golfrunde zu betrachten, ohne auf das Score oder das Leaderboard zu achten. Ich habe mich übrigens während dieser Partie lange mit dem späteren Sieger Marco Penge unterhalten. Ich bin zufrieden, wie ich mein Spiel und meine Runde unter diesen Bedingungen gemeistert habe.
In der Vergangenheit gab es oft Kritik am Niveau des Schweizer Männergolfs...
(unterbricht) Das habe ich nie für relevant gehalten. Es ist leicht, vom Sofa aus zu kritisieren und es besser zu wissen. Und am Ende ist es in allen Sportarten so: Wenn die Resultate nicht stimmen, setzt man sich der Kritik aus.
Verfolgen Sie die Ergebnisse der anderen Schweizer Spieler und Spielerinnen?
Klar. Ich verfolge natürlich die Resultate von Beni Rusch, einem langjährigen Freund. Er und Ronan Kleu hatten eine hervorragende Saison auf der HotelPlanner Tour. Ronan ist übrigens ein guter Beweis dafür, dass in der Schweiz junge Talente nachkommen, die das Zeug dazu haben, in die DP World Tour aufzusteigen. Bei den Frauen sind die Resultate seit mehreren Jahren ausgezeichnet. Sie machen gute Werbung für den Schweizer Golfsport.
So wie Sie, oder?
Ich gebe mein Bestes! Ich würde nicht sagen, dass ich mich als Vorbild sehe. Ich versuche einfach, gute Ergebnisse zu erzielen und dafür zu sorgen, dass man Gutes über den Schweizer Golfsport sagt. Wenn ich damit jüngere Spieler inspirieren kann, ist das ein toller Bonus.
Sie zeigen dem Nachwuchs, dass auch für einen Schweizer Golfer alles möglich ist.
Warum sollte das nicht der Fall sein? Golf wird überall auf der Welt gleich gespielt.
Was würden Sie jungen Menschen raten, die in Ihre Fussstapfen treten möchten?
Glaube an dich und arbeite an dem, was du für das Beste für dich hältst. Natürlich soll man auch auf die guten Ratschläge der Menschen in seinem Umfeld hören. Aber man muss vor allem auch seinen eigenen Weg finden.