(FOTO EMANUEL STOTZER)
06.04.2026
Golf als Brückenbauer für Jung und Alt
Haben Sie schon mal mit Ihrem Enkel Fussball gespielt? Wenn Sie jenseits der 70 sind, wohl eher selten. Ein Tennisspiel mit der Tochter? Ob Elternteil oder Kind, einer langweilt sich bestimmt. Im Golfsport ist das alles kein Problem: Er ist so kompatibel, dass er über alle Generationen und Spielstärken hinweg Spass macht. Und zwar miteinander, wie es Familie Kislig-Schwab vormacht.
Die Nebelschwaden hängen tief, die Sonne schafft es nicht, die tiefen Temperaturen beim Golfpark Moossee etwas anzuheben. Die Finger sind steif, die Daunenjacken warm – sie beeinträchtigen aber die Beweglichkeit beim Schwung. Egal, die 9-Loch-Anlage ist an diesem kalten Januarnachmittag offen. Es ist einer dieser glücklichen Tage, an denen für Vater, Tochter und Enkelin alles passt, um für eine gemeinsame Golfrunde zusammenzukommen.
Der vielbeschäftigte Rentner Willi Schwab reist viel, ist in verschiedenen Vereinen aktiv und spielt eigentlich im Golf Club Aaretal. Aber wenn es geht, passt er sich seiner im labormedizinischen Aussendienst tätigen Tochter Michèle an, die ihre Termine wiederum nach ihrer Tochter Jil richtet – und die hat heute Nachmittag schulfrei. Zeit also für die Lieblingsbeschäftigung dieses lustigen 15- bis 78-jährigen Trios.
Durch Opa schon als Kleinkind Golf gelernt
Golf vereint die drei schon seit Jahren. Im Falle von Jil eigentlich schon, seitdem sie denken und laufen kann. Sie hat es bei ihrem «Baba», wie sie ihren 78-jährigen Grossvater nennt, gelernt. Der frühere Software-Entwickler, der schon seit Jahrzehnten Golf spielt, steckte seine Enkelin schon früh mit dem Virus an. Mittwochs war Jil als Kind oft bei ihren Grosseltern. Hier hantierte sie mit ihrem ersten Schläger aus Plastik und buddelte sich schon bald im elterlichen Garten ein Loch zum Pitchen und Putten.
Heute ist die 15-Jährige im Swiss Golf Kader, besucht im Bildungszentrum Wankdorf die Sportschule und trainiert fast täglich – inklusive wöchentlich zwei bis drei Fitnesseinheiten mit Fokus auf Explosivität. «Ich liebe es, mich draussen in der Natur zu bewegen», sagt Jil.
Durch Vater und Tochter kamen auch Michèle und ihr Mann Philipp Kislig vor rund zehn Jahren auf den Geschmack, die Fairways zu erobern. Die Mitglieder vom Golfclub Bern kommen mit 27 bzw. 24 noch nicht ganz an die Handicaps von Jil Kislig (Bestwert 6) und Willi Schwab (Bestwert 13,8) heran. Aber das ist zweitrangig und mindert keineswegs die Wettkampf- und Spielfreude. «Hauptsache miteinander», bringt es Willi Schwab auf den Punkt. Gerne würde die Familie auch an der Swiss Golf Generation Championship teilnehmen, aber Jils dichter Turnierkalender liess eine Teilnahme am Family Event bis anhin nicht zu.
Verfroren, aber glücklich
Umso mehr geniessen die Kislig-Schwabs spontane Golf-Momente wie heute. Wie natürlich auch ihre zahlreichen Drei-Generationen-Ferien an Destinationen, die sich nicht selten nach dem jeweiligen Golfangebot richten: im Südtirol, am Gardasee, aber vorzugsweise in Frankreich. «Da dürfen wir meistens auch unseren Hund mit auf die Runde nehmen», sagt Michèle. Mit Labradoodle Malou ist die Familie definitiv komplett.
Als Jüngste im Trio rennt Jil oft im Nebel voraus, um «Babas» Bälle zu orten. Willi, Jil und Michèle fachsimpeln und beraten einander gelegentlich bei der Schlägerwahl. Sie lachen und stöhnen, wärmen sich zwischendurch gegenseitig die Hände. Ist der Ball eingelocht, wird abgeklatscht. Am Ende der Runde gibts Umarmungen und «Müntschis». Ihre Gesichter wirken etwas verfroren – aber beseelt von einem Mix aus Glück und Stolz aufeinander.
Es ist offensichtlich: Golf ist nicht nur generell ein sozialer Treffpunkt, sondern auch ein Brückenbauer für Jung und Alt. Als eine der wenigen Sportarten, die Kinder, Erwachsene und Seniors gemeinsam betreiben können, fördert es den Austausch und das Verständnis zwischen allen Generationen auf natürliche, spielerische und erst noch gesunde Weise.
«Möchte etwas zurückgeben»
Eine Bereicherung, die ihresgleichen sucht, findet Michèle Kislig-Schwab – was sie dazu bewogen hat, sich auch ausserhalb ihrer Familie für Golf zu engagieren. Seit sechs Jahren setzt sich die 49-jährige Bernerin für die rund 70-köpfige Juniorensektion vom Golfclub Bern ein. Sie wurde Junior Captain – zunächst im geteilten Amt, seit einem Jahr allein. Sowohl die organisatorischen Aufgaben als auch die Begleitung von zwei Dutzend ambitionierten Juniors an Trainingslager im In- und Ausland sind intensiv, bereiten der berufstätigen Mutter aber viel Freude. «Ich wuchs mit einem schönen Tennis-Clubleben auf und möchte auf diese Art etwas zurückgeben», sagt sie.
Diese Mentalität sei verständlicherweise bei der jüngeren Generation noch nicht ausgereift – beim Beispiel von Jil fehlt für ehrenamtliche Aufgaben heute schlicht die Zeit. Sie träumt davon, eines Tages wie ihr Vorbild Kim Métraux de Heer, bei deren Coach auch sie lernt, Profi zu werden. Gleichzeitig verfolgt sie schulisch einen Plan B, den sie aber noch nicht kennt. Sicher ist: Dem Golf bleibt Jil treu, wie Eltern und Grossvater – der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm.
Text: Cécile Klotzbach
Um den vollständigen Artikel in der Ausgabe 1-26 des Swiss Golf Magazins zu lesen (Seiten 46 bis 51), klicken Sie hier.