(FOTO TOTO MARTI)

26.07.2026

Auf den Spuren der Course Rater

Zu den Aufgaben von Swiss Golf gehört unter anderem eine regelmässige Beurteilung aller Schweizer Golfplätze nach vorgegebenen Kriterien, das so genannte Course Rating. Um mehr über die Aufgaben der Course Rater zu erfahren, haben wir sie im Golfpark Otelfingen bei ihrer Arbeit begleitet und spannende Einblicke gewonnen.

Golfpark Otelfingen, Montag, 9.00 Uhr: Fünfzehn Course Rater sind bereit für das Briefing von Jörg Eggen. Der Mitarbeiter Services von Swiss Golf hat die umfangreichen Unterlagen für Rating und Seminar vorbereitet. Das Course Rating Manual der USGA, die Luftbilder für das Eintragen aller Informationen sowie weitere Arbeitsunterlagen liegen bereit. «Die Aufgabe des Course Raters ist zeitintensiv», weiss Eggen. Neben einem dreitägigen Seminar Anfang Saison sind die Freiwilligen für jedes Rating während drei Tagen auf den Schweizer Plätzen unterwegs. «Im Idealfall führt jede Person mindestens drei Ratings pro Jahr durch, um angesichts der Komplexität der Aufgabe in Übung zu bleiben.»

So kommen bei den Course Ratern gut und gerne zehn oder mehr Tage Freiwilligenarbeit zusammen. Ausser der Bereitschaft, Zeit einzusetzen, müssen Course Rater eine gewisse Zahlenaffinität, gesunden Golfverstand und Liebe zum Golf mitbringen.

Luftbilder und Landezonen

Lange, bevor die Course Rater auf den Platz gehen, werden Luftbilder gemacht. «Auf diesen tragen wir die Längen und Breiten der Fairways sowie die Masse der Greens ein und vergleichen sie mit den Scorekarten», so Eggen. Mit diesen Informationen begeben sich die Course Rater auf den Platz, genauer in die Landezonen für die Damen und die Herren, jeweils unterteilt in Scratch- und Bogey-Spielende. Die Positionen der Landezonen sind definiert, sie beruhen auf den umfangreichen statistischen Daten der USGA zu den durchschnittlichen Schlaglängen.

In der Landezone respektive auf den Greens angekommen, bewerten die Course Rater die Situation vor Ort gemäss den Vorgaben. «Die speziellen Eigenheiten eines Platzes, eines Lochs lassen sich nur auf dem Platz beurteilen, damit sie korrekt in die Bewertung einfliessen.»

Guide und Listen, Laser und Stimpmeter

Eine halbe Stunde nach dem Briefing stehen die Course Rater mit ihren Unterlagen, Lasern und Stimpmetern auf dem Platz. Während der Spielbetrieb seinen gewohnten Lauf nimmt, vermessen und bewerten die Freiwilligen die vorgegebenen Testlöcher. Ihre Schürzen mit dem Course-Raters-Schriftzug verdeutlichen, dass sie nicht zum Flight, aber zum Golf gehören. 

«Golfplätze werden zur Eröffnung, fünf Jahre nach der Eröffnung und danach alle zehn Jahre geratet», so Eggen. Ausnahmen in diesem Rhythmus gibt es, wenn ein Platz umgebaut, die Zahl oder die Anlage der Bunker angepasst oder die Greens verändert werden. Ein weiteres Kriterium sind Neuerungen bei der Platzpflege, etwa in Bezug auf die Rough-Zonen oder die Fairways, oder wenn Schnittstufen wegen des Einsatzes von Mährobotern wegfallen.

44 Seiten und 10 Faktoren

Ob erstes, periodisches oder aussergewöhnliches Course Rating: Grundlage ist immer der Course Rating System Guide der United States Golf Association (USGA). Der Guide umfasst 44 Seiten und definiert zehn für das Course Rating wichtige Kriterien wie Gestaltung der Greens, Einfluss der Bäume, Lage der Wasserhindernisse, Out of Bounds oder Roughs. «Die Vielfalt und Komplexität der Informationen und Tabellen stellen auch langjährige Course Rater vor einige Herausforderungen – das braucht theoretisches und praktisches Training neben und auf den Plätzen», erklärt Eggen.

Alle von der USGA vorgegebenen Kriterien werden von den Course Ratern mit einer Punktzahl zwischen 1 und 10 bewertet, auf dem Platz von Hand in die Listen ein- und später am Computer ins Programm der USGA übertragen. Auf die Frage, warum er sich als Course Rater gemeldet hat, antwortet Jürg Moning: «In meiner Tätigkeit als Clubmanager wurde ich immer wieder mit der Frage nach der Richtigkeit des Course Ratings konfrontiert. Heute bin ich total überzeugt, ich weiss jetzt, nach welchen Kriterien ein Platz geratet wird.»

Geneviève Girbig erwähnt einen weiteren Faktor: «Das Course Rating gibt mir zusätzliche Erkenntnisse als Referee. Denn ich sehe dadurch besser, wie ein Platz von den Spielerinnen und Spielern betrachtet wird.»

Engagement für alle Golfenden

«Die US-amerikanischen Kollegen gewichten die verschiedenen Kriterien und berechnen dann zwei Zahlen: eine für das Course Rating der Scratch-Spielenden und eine für das Slope Rating der Bogey-Spielenden. Mithilfe dieser beiden Zahlen errechnet sich im Endeffekt das Course Handicap für jede Golferin und jeden Golfer.»

Das freiwillige Engagement der Course Rater hat somit viel mit dem Spiel der Golfenden zu tun: Ohne Course Rating gibt es keine Vergleichbarkeit der Resultate, keine Transparenz, keine Fairness. Um diese für den Golfsport zentralen Kriterien zu garantieren und um sicherzustellen, dass die Spielerinnen und Spieler die Anzahl Schläge erhalten, die der Schwierigkeit des Platzes entspricht, werden die Kriterien weltweit einheitlich und konsequent angewendet. «Für ein möglichst umfassendes Bild unterhalten wir uns auch mit den Greenkeepern in Bezug auf den Platzzustand und die Platzpflege.»

Neben der Theorie, der Bewertung auf dem Platz, spielen die Course Rater den Platz. «Nur so lässt sich beurteilen, wie ein Rough gespielt werden kann und welche Bewertung auch unter golferischem Aspekt Sinn macht», freut sich Jörg Eggen auf den nächsten Tag des Course-Rater-Seminars mit dem praktischen Teil auf dem Platz in Otelfingen.

Text: Peter Beeli

Um die vollständige Ausgabe 3/2026 des Swiss Golf Magazins zu lesen, klicken Sie hier.

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