Der Golfplatz als CO2-Speicher 

Die Abscheidung und Speicherung von CO2 (Sequestrierung) ist der Schlüssel zur Eindämmung des Klimawandels. Die richtigen Grassorten und hohe Roughs spielen dabei eine grosse Rolle. Sie sind ein wichtiger «Entlastungsfaktor» in Ökobilanzen von Golfanlagen.

Der Ausstoss von Treibhausgasen, einschliesslich Kohlenstoffdioxid (CO2), steht in direktem Zusammenhang mit steigenden Temperaturen und Meeresspiegeln, sinkender Luftqualität und instabilem, extremem Wetter. Erkenntnisse, die auch im Strategieplan «Golf Course 2030 Switzerland» festgehalten sind – unter anderem in Form dreier Zukunftsszenarien für Golfanlagen in einer Schweiz mit veränderten Rahmenbedingungen. Mit der Entwicklung der ersten gesamtheitlichen Ökobilanz-Methode im Golfsport, dem SEBI (Specific-Eco-Benefit-Indicator), hat Swiss Golf ein Instrument an der Hand, um sowohl den ökologischen Footprint (Umweltschaden) wie auch den ökologischen Handprint (Umweltnutzen) einer Golfanlage zu erfassen und diese einander gegenüber zu stellen. Einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zum ökologischen Handabdruck einer Golfanlage leisten Rasengräser. Genauso wie Bäume und Sträucher nimmt auch das Gras CO2 aus der Umwelt auf und speichern dieses, was die Ökobilanz einer Golfanlage entlastet.

Photosynthese und passende Grassorten

Die Aufnahme und Speicherung von CO2 durch Pflanzen wird Sequestrierung oder Sequestration genannt. Sie erfolgt mittels Photosynthese. Bäume, Sträucher und Gräser (Pflanzen auf Chlorophyllbasis) beispielsweise absorbieren mit Hilfe von Sonnenlicht das in der Atmosphäre vorhandene Kohlendioxid und wandeln es in Kohlenhydrate und einfachen Zucker um. Diese fördern das Pflanzenwachstum. Das CO2 spaltet sich in Sauerstoff, der in die Umwelt abgegeben wird, und in Kohlenstoff, welcher im Boden bzw. in den Wurzeln gebunden und gespeichert wird.

Wieviel CO2 von einer Pflanze sequestrieren kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ein Hektar natürliches, offenes Grasland kann bis zu 2,5 Tonnen CO2 pro Jahr binden. Deshalb sind hohe Roughs eine wertvolle Ressource zur CO2-Sequestrierung. Intensiv bewirtschaftete Rasenflächen wie Grüns, Abschläge, Fairways und gemähte Roughs verbrauchen bei der Pflege zwar Energie – und geben beim Grasschnitt einen Teil des CO2 wieder frei –, sie weisen aber pro Quadratmeter eine höhere Pflanzenpopulation als natürliches Grünland auf. Dadurch binden sie relativ mehr CO2. Ausschlaggebend ist, die zum Boden und Klima passende Rasengrasarten und -sorten zu säen.

Eine Studie der französischen Zucht- und Forschungsstation Top Green fand signifikante Unterschiede zwischen Grasarten und ihrer Fähigkeit, Kohlenstoff in den Blättern, Wurzeln und im Bodenprofil zu speichern und zu binden, wenn sie unter denselben Umweltbedingungen wachsen. In der Studie wurden nicht nur Grasarten, sondern auch unterschiedliche Sorten innerhalb einer Art untersucht. Die Industrie reagierte auf diese Forschungsergebnisse unter anderem mit der Entwicklung und Grassamenmischungen, die eine höhere CO2-Sequestrierung ermöglichen und gleichzeitig die von Golfrasengräsern erwarteten Eigenschaften mitbringen.

Sogar CO2-Senker?

Basierend auf den jüngsten Erkenntnissen der Forschung steht nun auch die Hypothese im Raum, dass häufiges Mähen mit Robotern die CO2-Bindung beschleunigt oder zumindest eine gleichmässigere Sequestrierung bei geringerer Düngemittelanwendung erzielt. Daraus folgt: Gut gelegene, sorgfältig geplante und ebenso gebaute Golfanlagen haben durchaus eine Chance, Netto-CO2-Senker zu werden. Ob diese Hypothese stimmt, wird derzeit mittels einer dreijährigen Studie auf Island erforscht. Initiiert und durchgeführt wird diese Studie mit dem Namen «Carbon Par» von der Scandinavian Turfgrass and Environment Research Foundation (STERF).

STERF wurde 2006 von den Golfverbänden Schwedens, Dänemarks, Norwegens, Finnlands und Islands sowie der Nordic Greenkeepers Association gegründet; die unabhängige Stiftung unterstützt Forschung und Entwicklung, die dem Golf- und Rasengrassektor zu Gute kommen.

 

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